Endspurt

Jetzt bleiben mir nur noch 2 Monate in diesem Land. Im Moment bin ich wie so oft ein wenig frustriert. Ich bin seit einer Woche wieder in den Bergen, werde aber morgen Abend nach Lima fahren. Ich fühle mich ziemlich alleine hier. Es sind zwar total viele Leute von ADECAP hier, aber irgendwie komme ich im Moment nicht mit der indigenen Kultur klar, oder mit ihren Verhaltensweisen. Am Mittwoch musste ich, während ich oben in meinem Bett lag, von unten vernehmen, wie unser "Gastvater" seine kleine 5-jährige Tochter schlug, weil sie sich wohl daneben benommen hatte. Nur 2 Tage später habe ich im ADECAP Büro von Huancayo übernachtet. Die Familie wusste nicht, dass ich da war, und erneut musste ich hören wie der Vater seine kleine Tochter schlug und diese daraufhin in Tränen ausbrach. Jetzt wird mir klar, warum das arme Mädchen mich vor einigen Monaten gefragt hat, ob ich mit meinem Gürtel auch Kinder schlagen würde.
Zudem kann ich nicht mehr hören, wie die indigene Bevölkerung sich hier selbst fertig macht. Am Donnerstag war ich auf einem Workshop über verbesserte Kochstellen und fast alle Teilnehmer flehten mich an, sie oder ihre Kinder mit in "mein Dorf" zu nehmen, denn da gäbe es keine Armut, wir wären alle Millionäre. Sie sagten, ihnen ginge es so schlecht, weil sie ignorant wären und sie wären so klein und wir Gringos so gross, weil sie unterentwickelt wären. Man kann da einfach nicht gegen anreden. Für sie ist Gringoland, oder Deutschland, einfach das Schlaraffenland, es gibt dort keine Probleme. Obwohl ich gerade mal 20 Jahre alt bin, waren sie überzeugt, dass ich mindestens Ingenieurin bin und sprachen mich auch mit diesem Wort an. Sie wollten mir nicht glauben, dass ich lediglich die Schule beendet hatte, in Deutschland sind alle Professionelle. Ich hätte nie gedacht, dass mich das so fertig macht, aber ich hab auch einfach keinen Bock mehr, die Gringa zu sein, von allen Seiten angeguckt zu werden, hinter meinem Rücken Getuschel zu höeren oder irgendwelche schmatzenden Kussgeräusche zu hören wenn ich an 50-jährigen fast-Opis vorbeilaufe. Ich mag eigentlich die Kultur der Indigenen in den Bergen, aber diese Sachen stören mich. Ich könnte niemals hier leben.
Krass fand ich auch, als ich letztens gelesen habe, dass man bis vor ein paar Jahren (10 oder so) in Peru als Vergewaltiger einer Strafe entgehen konnte, indem man die vergewaltigte Frau einfach heiratete.
So jetzt aber mal ein paar erfreulichere Nachrichten: Letzte Woche war ich mit Jason in Huacachina. Das ist eine Oase in der Wüste Perus. Ihr könnt sie ja mal googlen. Sie ist wirklich wunderschön. Wir waren dort sandboarden, was auch extrem geil und mindestens genauso anstrengend ist, weils da keine Lifts oder so gibt, sondern man mit dem Sandboard erst mal die Düne erklimmen muss, und wenn man Pech hat dabei das Sandboard verliert und wieder unten anfangen muss :-D. Beim ersten Mal sind wir mit nem Sandbuggie hochgefahren, das war so ne kurze Tour, wo man gut 4-5 Dünen runterfahren konnte. Die letzte Düne haben sich dann aber nur noch 4 von den gut 10 Leuten aus unserem Buggie getraut. War aber extrem cool. Ich hab zwar mehr auf dem Boden gelegen, als ich auf dem Board stand und war danach voller Sand, aber so viel Spass hat ich schon lange nicht mehr.
So das wars jetzt aber erst mal von mir. Ich weiss nicht mehr was ich schreiben soll...
7.6.10 23:07
 


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